Seit Jahren nimmt der Verzehr an Haselnüssen in Deutschland immer mehr zu. Insbesondere die steigende Zahl der Vegetarier und Veganer deckt ihren Bedarf an Vitaminen und Mineralien häufig auch mit Haselnüssen. Denn diese haben im Vergleich zu anderen Nusssorten einen hohen Anteil an Vitamin E und enthalten fast doppelt so viel Calcium wie Milch, dazu eine großen Anteil Magnesium sowie beachtliche Mengen Eisen, Kupfer, Zink, Fluor und Selen.

Im deutlichen Widerspruch zu dem zunehmenden Verbrauch an Haselnüssen steht der ganz erhebliche Rückgang an Haselnusssorten in Deutschland. In Gärten, Parks und bei der Landschaftsgestaltung sind es in der Regel weniger als fünf Sorten, die angepflanzt werden. Und auch in den Baumschulen sind nur in äußerst wenigen Fällen mehr als zehn Haselnusssorten erhältlich. Nimmt man alle Baumschulen in Deutschland zusammen, kann man dort gerade einmal 16 verschiedene Haselnusssorten erwerben. Auch gibt es im Gegensatz zu den Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Pflaumensorten bislang keine nennenswerte Sammlung von unterschiedlichen Sorten bei den Haselnüssen. Hinzu kommt, dass die pomologische Literatur in diesem Bereich mit der Publikation von Gerhard Friedrich und Werner Schuricht „Nüsse und Quitten“ mit dem Jahr 1988 endet.

Dabei gab es vor weniger als 80 Jahren weit mehr als 100 verschiedene Haselnusssorten, die in deutschen Baumschulkatalogen erwähnt wurden (Erich Schneider: Erfolgreicher Haselnussanbau. Stuttgart, 1944, S. 9). Diese Sorten unterscheiden sich in den ökologischen Ansprüchen, Krankheitsresistenzen (Xanthomonas arboricola), Verwendungsmöglichkeiten, geschmacklichen Besonderheiten und Erträgen.

Ziel der Oberlausitz-Stiftung ist es, möglichst viele dieser historischen Haselnusssorten für künftige Generationen zu erhalten.

 

Bergers Zellernuss, durch die Firma Jacob-Mackoy et Cie. in Lüttich (Belgien) vor 1876 verbreitet. Ersterwähnung bei O. Thomas (Guide Pratique, 1876, S. 36). Erstbeschreibung von Franz Goeschke 1887 (Die Haselnuss, Berlin, S. 70) = Bergére, Cor. Bergeri, Corylus Bergeri, Louis Berger.

Cosford, Ersterwähnung 1826 (Catalog of fruits der Royal Horticultural Society, S. 86). Herkunft: ein Herr Kirke aus Brompton (England) hat diese Haselnusssorte an die Royal Horticultural Society geliefert. Erstbeschreibung von J. Lindley 1829 (The Cosford nut, in: The Pomological Magazine 2: 55, pl. 55) = Cosford Nut, Cosforder Zellernuss, Improved Cosford, Miss Young’s, Thinscald nut, Verbesserte Cosford.

Eckige Barcelloner, Ersterwähnung bei Christ 1797 als „Die Barzellonische Nuß. Die große Spanische eckige Nuß“ (Handbuch über die Obstbaumzucht, 2. Auflage, S. 740). Herkunft: wahrscheinlich Spanien = Aveline de Barcelonne, Barcelloner Eckige, Barcellonische Nuss, Barcelona, Barcelone de Loddiges, De Barcelona, Eckige Zellernuss, Grosse Eckige Barcelloner, Grosse spanische eckige Nuss, Loddiges´ Barcelona.

Englische Riesennuss, erstmals 1864 erwähnt in: Gartenflora. Blätter für Garten- und Blumenkunde, S. 377. Herkunft: vermutlich England = Englische Riesen.

Frühe lange Zellernuss, erstmals erwähnt 1802 von Sickler (Der teutsche Obstgärtner, Bd. 18, S. 402). Herkunft: unbekannt = Grosse längliche Zellernuss, Lang Tidlig Zeller, Lange Zellernuss, Longuette.

Garibaldi, von Richard Webb in Calcot Garden bei Reading (England) aus Samen gezogen. Ersterwähnung 1872 (The Gardener´s Chronicle, S. 1488) = Webb’s Garibaldi.

Gunslebener Zellernuss, 1757 gezüchtet  von Pastor Samuel David Ludwig Henne zu Hamersleben und Gunsleben im damaligen Fürstentum Halberstadt (Angaben nach Henne in: Anweisung wie man eine Baumschule von Obstbaumen im Grossen anlegen und gehörig unterhalten solle, Halle 1773, 4. Auflage, S. 88) = Große Gunslebener Zellernuss, Gunslebener Riesennuss, Gunslebener Große.

Hallesche Riesennuss, von C.G. Büttner (Halle an der Saale) aus einem 1788 gepflanzten Samen der „Gunslebener Zellernuss“ gezogen. Erstbeschreibung 1798 von Büttner (in: Sickler, Der teutsche Obstgärtner, Bd. 10, S. 340f, Tafel 20) = Geant de Halle, Geante de Halle, Grosse runde spanische Nuss, Grosse Spanische Zellernuss, Grosse Zellernuss, Halle ’sche Riesen-Zellernuss, Hallesche Riesen, Hallská obrovská, Pfundnuss, Riesennuss, Uriase de Halle.

Klosterneuburger Selektion, gezüchtet von der Höheren Bundeslehranstalt und dem Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg (Österreich).

Northamptshire, Ersterwähnung 1826 (Catalog of fruits der Royal Horticultural Society, S. 86). Herkunft: wahrscheinlich aus der Grafschaft Northamptshire (England) = Dwarf Prolific, Englische Lambertsnuss, Fertile de Nottingham, Northams Profilic, Northamptonshire fruchtbare Haselnuss, Northamptonshire prolific, Northamptonshire Seedling, Nottingham Prolific, Nottinghams Fruchtbare, Pearsons Prolific, Fertile de Nottingham.

Nottingham Früheste, derzeit keine Sorteninformationen verfügbar.

Rote Zellernuss, erstmals 1892 erwähnt als „Rotblättrige, rotfrüchtige Zellernuss“ (Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, Ausgaben 1-9, S. 80) = Rotblättrige Zellernuss, Rote Bonte Zellernoot, Rode Zellernoot.

Rotblättrige Lambertsnuss, um 1827 von den Gebrüdern Baumann in Bollwiller (Elsass) unter dem Namen „Corylus atropurpurea nova“ verbreitet (Franz Goeschke, Die Haselnuss, Berlin 1887, S. 79) = Avelines á feuilles pourpres, Bluthaselnuss, Blutnuss mit roter Frucht und rotem Blatt, Blutnuss, Blutrotblättrige Haselnuss, C . atropurpurea nova, C . atropurpurea, C . atrosanguinea, C . Avellana purpurea, C . foliis atropurpureis, C . purpurea, C . tubulosa atropurpurea, Haseln mit blutroten Früchten und Kernen, N . á feuilles et á fruits pourpres, N . á fruits pourpres, N . commun á feuilles et fruits pourpres, N . franc á fruit rouge et á feuilles pourpres, Noisetier á feuilles pourpres, Purple Filbert, Purple leaved Hazelnut, Rotblättrige Haselnuss, Wahre Blutnuss.

Trapezunter Kaiserhasel, Ersterwähnung bei O.Thomas 1876 als „Imperiale de Trebizonde“ (Guide Pratique, S. 36). Möglicherweise handelt es sich aber auch um einen Sämling der älteren „Trapezunter Zellernuss“ (Trebisond Funduk). Die letztere, die aus der türkischen Stadt Trapezunt stammen soll, erhielt Justizrat Burchardt im Jahre 1833 von Herrn vom Hartwiss aus Nikita = Imperiale de Trapezunt, Imperiale de Trébizonde, Kaiser Hasel, Kaiserhasel von Trapezunt, Trapezunski, Trapezunski, Trapezunter Haselnuss.

Türkische Baumhasel, Ersterwähnung 1650 bei Jean Bauhin et al. als „Avellana byzantina“ (Historia Plantarum Universalis, Bd. 1, S. 270). Herkunft: Südöstliches Europa bzw. Türkei = Avellana Byzantina, Baumartige Haselnuss, Baumhaselnuss, Büschelfrüchtige Haselnuss, Byzantinischer Haselstrauch, Corylus Columa.

Webbs Preisnuss, Ersterwähnung 1872 als „Webb´s Prize Cob Filbert“ (in: The Gardener´s Chronicle, S. 1488). Herkunft: von Richard Webb in Calcot Garden bei Reading (England) gezüchtet = Filbert Cob, Kentish Cob, Lambert Cob, Lambert Filbert, Lamberts Filbert, Webbs Price Cob.

Weiße Lambertsnuss, 1802 erwähnt bei J.C. Christ (Pomologisch theoretisch-praktisches Handwörterbuch, Leipzig, S. 257). Nach Angaben von Franz Goeschke bereits bei C. Bauhin im 16. Jahrhundert erwähnt und damit „eine der ältesten in unseren Gärten kultivierten Haselnüsse“ mit Herkunft aus dem südlichen Europa, vielleicht auch Nordafrika (vgl. Die Haselnuss, Berlin 1887, S. 77) = Blanche Longue, Gemeine Weisse; Gemeine weisshäutige Lambertsnuss, Knight’s Small, Lambert albe, Lombardische weisse Haselnuss, Remy, Weisse Haselnuss, Weisshäutige Lambertsnuss, Weisse lange Lambertsnuss, Zahme weisskernige Haselnuss.

Wunder aus Bollweiler, August Napoleon Baumann aus Bollwiller (Frankreich) erhielt diese Sorte 1853 „von einem Liebhaber aus Schlesien, der sich seit vielen Jahren mit der Aussaat von Haselnusssträuchern beschäftigt und diese mit vorbildlicher Sorgfalt durchführt“. Erstbeschreibung 1854 von M. Ch. Morren (La Belgique horticole: Annales de botanique et d‘ horticulture, Band 4, S. 217). Die Sorte wurde von der Baumschule Baumann in den Handel gebracht = Bollwiller, Merveille de Bollwiller, Weissmanns Zellernuss, Wunder aus Bollwiller, Zázrak z Bollwilleru.

 

Die Synonyme sind zusammengestellt aus:
Stritzke, Siegfried: Wal- und Haselnüsse. VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag, Berlin 1961.
Goeschke, Franz: Die Haselnuß. Verlag Paul Parey, Berlin 1887.
Bundessortenamt: Gesamtliste der Obstsorten. Gewöhnliche Hasel. Stand November 2019.