Alte Obstsorten erhalten – Junge Menschen fördern

Hinweise zur Sortenwahl und Pflanzung von Birnen

Fast 5.000 Birnensorten gibt es weltweit. Das erscheint beeindruckend, ist aber, verglichen mit der Vielzahl unterschiedlicher Apfelsorten, immer noch eine überschaubare Vielfalt. Das liegt daran, dass die Züchtung neuer Birnenarten kommerziell nicht lukrativ ist. Deswegen finden sich im Supermarkt selten mehr als drei bis vier Birnensorten im Angebot: Sorten, die sich gut transportieren lassen und die vor allem lange haltbar sind.

Der Anbau von Birnen ist im Vergleich zum Anbau von Äpfeln wesentlich anspruchsvoller; denn viele Birnensorten sind empfindlich und anfällig für Krankheiten. Ihr Anbau ist nicht überall sinnvoll. Am besten gedeihen Birnen im Weinbauklima. Dort befällt sie kaum Fäule. Noch nicht einmal Spritzmittel sind nötig.

Die meisten Birnensorten sind nicht lange haltbar. Während der Apfel über Wochen und Monate gelagert werden kann, sind viele Birnensorten maximal eine Woche genießbar. Auch deshalb schrecken viele Obstbauern vom Anbau der Birne zurück.

Birnen bringen allerdings, wie kaum eine andere Frucht, eine Vielzahl unterschiedlicher, edelster und feinster Geschmacksnuancen hervor. Die Birne ist tatsächlich eine Frucht für Feinschmecker.

Im Folgenden werden einige wichtige Tipps und Hinweise für den Anbau von Birnen gegeben.

 

Geeigneter Standort für Birnen

Ausreichend Platz

Birnbäume können durchaus 200 Jahre alt werden. Viele Birnensorten erreichen im Laufe der Zeit beträchtliche Höhen (bis zu 20 Meter). Baumkronen von mehreren Metern Durchmesser sind keine Seltenheit. Genauso ausladend wie die Krone verläuft das Wurzelwerk unter der Erde. Bei der Wahl des Standortes muss daher zunächst einmal bedacht werden, ob der Platz für einen großen, hochstämmigen Baum ausreichen wird.

Birnen an Spalieren können an Hauswänden oder speziellen Gerüsten gepflanzt werden. Sie werden nur so hoch und breit, wie man es zulässt. Da solche Birnbäume vor allem in die Breite gezogen werden, nehmen sie nur wenig Platz ein. Ebenfalls weniger Platz nehmen Halbstamm-Bäume, Birnensträucher und Birnenpflanzen in Kübeln ein. Diese Wuchsformen haben zudem den Vorteil, dass Baumschnitt und Ernte wesentlich leichter sind und man mehrere sich gegenseitig befruchtende Gehölze in einem kleinen Garten pflanzen kann. Allerdings werden diese Gehölze auch lange nicht so alt. Bei Pilzbefall ist zudem – im Gegensatz zum Hochstamm – meist das ganze Gehölz betroffen und muss beseitigt werden.

Sonnige bis halbschattige und windgeschützte Lage

Birnen sind wärmeliebende Gehölze, die am besten windgeschützt und in sonniger Lage gepflanzt werden sollten. Ideal sind Standorte mit südlicher Ausrichtung sowie vor Hecken oder Hauswänden. Humoser und nährstoffreicher Boden wird bevorzugt.

Feuchter Boden ohne Staunässe

Birnen wachsen am besten in einem feuchten Boden, vertragen aber keine staunassen oder stark wechselfeuchten Böden. Also keine Senke auswählen. In sehr trockenen Lagen verhindert eine Mulchdecke rund um die Baumscheibe ein Austrocknen der Wurzeln.

Anbau von Birnen ist auch in höheren Lagen möglich

Bei der Sortenwahl sollten die klimatischen Bedingungen berücksichtigt werden. So herrschen z.B. in Zittau ganz andere Einflüsse als in den Höhenlagen des Zittauer Gebirges (Kaltluftzufuhr, Niederschläge, längere Winter etc.).

Einige Birnensorten (z.B. Gute Graue, Petersbirne, Sparbirne, Bunte Julibirne, Frühe von Trevaux, Conference) kommen auch mit ungünstigeren Bedingungen zurecht. Andere Sorten wie „Williams Christ, Gräfin von Paris, Gute Luise, Nordhäuser Winterforelle“ sind nur zum Anbau in geschützten Lagen zu empfehlen.

 

Birnen sind auf Fremdbefruchtung angewiesen

Wenn ein Birnbaum viele Blüten entwickelt, an denen sich jedoch keine Früchte bilden, liegt es häufig an der fehlenden Befruchtung. Die in Baumschulen heute verfügbaren Birnensorten sind alle selbststeril. Sie tragen sogenannte Zwitterblüten, die sowohl männliche als auch weibliche Organe in einer Blüte vereinen. Eine Selbstbefruchtung findet bei Zwitterblüten nicht statt.

Um eine Befruchtung zu ermöglichen, ist der Birnbaum daher auf einen anderen Befruchter angewiesen. Das ist in der Regel ein zweiter Baum mit den gleichen botanischen Eigenschaften, zum Beispiel ein zweiter Birnbaum. Das kann der Birnbaum im Nachbargarten sein, oder man pflanzt selber noch eine weitere Birnensorte an. Beide Bäume müssen in erreichbarer Nähe zueinanderstehen, damit Wind und Bienen die Bestäubung vornehmen können. Dabei ist auf Birnensorten mit gleicher Blütezeit achten; denn bei einer unterschiedlichen Blütezeit ist eine Befruchtung nicht möglich. Besser ist es, dass mehrere Fremdbefruchter in der Nähe sind; denn je größer die Anzahl der Obstgehölze, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung. Die Anpflanzung von mehreren Gehölzen zahlt sich also aus!

Es gibt einige Birnensorten, die für die Befruchtung besonders geeignet sind wie z.B.

  • Frühe von Trévoux
  • Gellerts Butterbirne
  • Conférence
  • Vereinsdechantsbirne
  • Madame Verté.

Im Internet gibt es Übersichten, welche Birnensorten sich gegenseitig befruchten.

 

Wie und wann einen Birnbaum pflanzen?

Ein Birnbaum sollte möglichst im Herbst gepflanzt werden. Notfalls kann das Einsetzen auch nach dem letzten Frost im späten Frühjahr erfolgen. Dem Baum sollte ein Pflanzpfahl zur Seite gestellt werden. Dieser wird direkt mit eingepflanzt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Wurzeln nicht verletzt werden.

Der Birnbaum benötigt im ersten Jahr nach der Pflanzung sehr viel Wasser, um eine gesunde Wurzel ausbilden zu können. Dabei gilt die Regel: Lieber einmal in der Woche – möglichst abends – viel gießen, als jeden Tag ein wenig; denn nur so können die Wurzeln tief in das Erdreich eindringen und sich nicht lediglich oberflächig und weit ausbreiten.

Die Baumscheibe (Durchmesser 1-1,5 m ) sollte frei von Kräutern und anderen Pflanzen sein, die dem jungen Baum anderenfalls Nährstoffe entziehen würden.

Als Pflanzabstand zu anderen Bäumen sollten ca. 8-10 Meter bei Hochstämmen (180-220 cm) und 4-5 Metern bei Halbstämmen (100-160 cm) gewählt werden.

 

Nutzungsarten von Birnen

Birnen werden nicht nur als Tafelobst verwendet, sondern auch als Dörrobst, Birnenmus, Birnenkraut, Birnenmost und zum (Ein)Kochen und Brennen sowie als Kompott. Für jede dieser Nutzungsarten gibt es geeignete Birnensorten.

Brennbirnen: z.B. Alexander Lucas, Köstliche aus Charneux, Williams Christ
Kochbirnen: z.B. Großer Katzenkopf, Kuhfuß, Pastorenbirne
Mostbirnen: z.B. Champagner Bratbirne, Römische Schmalzbirne, Weilersche Mostbirne, Wildling von Einsiedeln
Dörrbirnen: z.B. Clairgaus Butterbirne, Großer Katzenkopf, Gute Graue, Pastorenbirne
Kompottbirnen: z.B. Deutsche Nationalbergamotte Josephine von Mecheln, Madame Verté
Einmachbirnen: z.B. Gute Graue, Köstliche aus Charneux, Stuttgarter Geißhirtle
Krautbirnen:[1] Gute Graue, Berder Graue.

Birnensorten nach Reifezeit

Man unterscheidet Sommer-, Herbst- und Wintersorten. Die Sommersorten werden ab Mitte Juli bis Anfang/Mitte September reif. Herbstsorten werden von Ende September bis Anfang/Mitte November reif. Wintersorten werden erst nach einer Lagerzeit ab Mitte/Ende November bis Februar/März genussreif.

Bei den Sommersorten fallen Pflück- und Genussreife zusammen. Etliche Sorten halten sich nur 3-7 Tage, dann werden die Früchte teigig. Herbstsorten können bei richtiger Lagerung 3-4 Wochen genussfähig sein. Wintersorten können bei richtiger Lagerung (kühler, gut lüftbarer, frostfreier Raum) ein bis drei Monate genießbar sein.

 

Sortenwahl

In der Oberlausitz wurden im 19. und 20 Jahrhundert ca. 250 verschiedene Birnensorten angebaut (siehe hierzu die Übersicht im pdf-Format). Diese enorme Zahl ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die meisten dieser Sorten aus Regionen Frankreichs und Belgiens mit einem deutlich wärmeren Klima stammen.

Manche dieser in der Oberlausitz angebauten Sorten wurden durch all´ diese Jahre fast durchgängig von den regionalen Baumschulen angeboten. Daher liegt die Vermutung nahe, dass sich diese Sorten in der Region bewährt haben. Zu diesen traditionellen Birnensorten der Oberlausitz gehören:

Sommerbirnen[2]

Andenken an den Kongress (Anfang September- Anfang Oktober)
Bunte Julibirne (Ende Juli-Anfang August)
Clapps Liebling (Anfang-Ende August)
Frühe aus Trevoux (Anfang August-Anfang September)
Gute Graue (Anfang-Mitte September)
Marguerite Marillat (Ende August – Anfang/Mitte September)
Williams Christ (Ende August-Mitte September)

Herbstbirnen

Alexander Lucas (Pflückreife: Ende September-Anfang Oktober, Genussreife: Oktober-Dezember)
Amanlis Butterbirne (Pflückreife: Anfang September, Genussreife: Anfang September-Anfang/Mitte Oktober)
Birne aus Tongern (Pflückreife: Ende September-Anfang Oktober, Genussreife: Oktober-November)
Blumenbachs Butterbirne (Pflückreise: Anfang-Mitte Oktober, Genussreife: November-Dezember)
Boscs Flaschenbirne (Pflückreife: Ende September-Anfang Oktober, Genussreife: Oktober-November)
Clairgeaus Butterbirne (Pflückreife: Mitte September, Genussreife: Ende Oktober-Dezember)
Conference (Pflückreife: Ende September-Anfang Oktober, Genussreife: Oktober-November)
Doppelte Philippsbirne (Pflückreife: Anfang September, Genussreife: September-Anfang/Mitte Oktober)
Gellerts Butterbirne (Pflückreife: Mitte September, Genussreife: September-Oktober)
Gute Luise (Pflückreife: Mitte September-Anfang Oktober, Genussreife: September-Anfang/Mitte Oktober)
Herzogin Elsa (Pflückreife: Mitte September-Anfang Oktober, Genussreife: Mitte September-Mitte Oktober)
Hofratsbirne (Pflückreife: Ende September-Anfang Oktober, Genussreife: Oktober-November)
Köstliche von Charneux (Pflückreife: Ende September-Anfang Oktober, Genussreife: Oktober-November)
Neue Poitau (Pflückreife: Mitte Oktober, Genussreife: Oktober-November)
Triumph von Vienne (Pflückreife: Anfang-Mitte September, Genussreife: September-Anfang/Mitte Oktober)
Vereinsdechantsbirne (Pflückreife: Mitte-Ende Oktober, Genussreife: November)

Winterbirnen

Diels Butterbirne (Pflückreife Anfang-Mitte Oktober, Genussreife: November-Dezember)
Gräfin von Paris (Pflückreife Anfang-Mitte Oktober, Genussreife: Dezember -Februar)
Hardenponts Winterbutterbirne (Pflückreife Ende Oktober-Anfang November, Genussreife: November-Januar)
Herzogin von Angouleme (Pflückreife Anfang-Mitte Oktober, Genussreife: November-Dezember)
Le Lectier (Pflückreife Anfang-Mitte Oktober, Genussreife: November-Dezember)
Madame Verte (Pflückreife Mitte-Ende Oktober, Genussreife: November-Dezember)
Nordhäuser Winterforelle (Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife: Januar-März)
Pastorenbirne (Pflückreife Anfang Oktober, Genussreife: November-Januar).
 

Geschmack

Wenn man das alles berücksichtigt hat, bleibt noch der persönliche Geschmack. Was nützt der beste Birnbaum, wenn einem die Früchte nicht schmecken. Daher sollte man jede Gelegenheit nutzen, an einer Verkostung von Birnen teilzunehmen.

Birnenernte
Regel 1: Die Früchte müssen sich leicht vom Baum lösen lassen. Diese Regel gilt immer!
Regel 2: Birnen erst ernten, wenn die ersten Früchte gelb geworden sind. Achtung Ausnah-me: Viele Birnensorten müssen grün geerntet dann noch zwei Tage nachreifen, bis sie schmelzend werden.
Regel 3: Den Stiel immer an den Birnen lassen, sonst halten sich die Birnen nicht.
Früchte, die zu Boden gefallen sind (z.B. Gellerts Butterbirne), sind meist zu matschig, und dann nicht mal mehr zum Saftpressen geeignet.

 

[1] Krautbirnen haben die Eigenschaft, im Kupferkessel unten nicht anzubrennen.

[2] Die Angaben zur Pflück- und Genussreife stammen aus: Herbert Petzold, Birnensorten, Leipzig-Radebeul 1982, S. 38-40.

ADRESSE:

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