Alte Obstsorten erhalten – Junge Menschen fördern

Hinweise zur Sortenwahl und Pflanzung von Äpfeln

Geeigneter Standort
Apfelbäume kann man grundsätzlich auf fast allen Böden pflanzen. Extrem schwere und damit kalte und nasse Böden sind ebenso wie leichte Sandböden eher ungünstig.
Also keine Senke auswählen, Äpfel lieben keine Staunässe. Guter Boden, nicht verdichtet, nicht zu feucht, am besten eine sonnige Freifläche, möglichst geschützt vor Spätfrösten und starkem Wind, das ist der ideale Platz.
Am besten eignen sich humusreiche und gut durchlüftete Böden mit einem ph-Wert von 5,6 bis 6,5.
Bei der Sortenwahl sollten die klimatischen Bedingungen berücksichtigt werden. So herrschen z.B. in Zittau ganz andere Einflüsse wie in den Höhenlagen des Zittauer Gebirges (Kaltluftzufuhr, Niederschläge etc.). Einige Apfelsorten kommen auch mit ungünstigeren Bedingungen zurecht.
In der Nähe des Gemüsebeetes hat ein Baum nichts zu suchen, da er Schatten wirft und das Gemüse im Wachstum behindert.

Befruchtung von Apfelbäumen
Die meisten Apfelsorten sind selbststeril, das heißt, die Befruchtung bleibt ohne Blütenstaub von einer anderen Sorte aus. Äpfel gehören somit zu den Fremdbestäubern. Man muss also darauf achten, dass geeignete Bestäubersorten in der Nähe stehen. Welche das jeweils sind, steht zum Beispiel auf dem mitgelieferten Sorten-Steckbrief von der Baumschule.
Die meisten Apfelsorten sind gute Pollenspender. Das sind die diploiden Sorten, also die mit einem doppelten Chromosomensatz (2 x 17 = 34). Für die (gegenseitige) Befruchtung der diploiden Sorten benötigt man eine(!) weitere/andere, ebenfalls diploide Sorte. Nur die triploiden Sorten, also die mit dreifachem Chromosomensatz (3 x 17= 51), eignen sich nicht als Befruchtersorte. Für eine triploide Sorte, benötigt man darum automatisch zwei (!) diploide Pollenspender. Einen für triploide Sorte und je einen für die gegenseitige Befruchtung der beiden diploiden Sorten.
Eine Liste der triploiden Apfelsorten findet sich beim forum planten. forum.planten.de/index.php/

Nutzung der Äpfel
Vorab sollte man überlegen, ob die Äpfel zum baldigen Verzehr geeignet sein sollen oder lange lagerfähig sein sollen. Da man meist sehr viel mehr ernten als sofort essen kann, empfehlen sich vor allem sogenannte Winteräpfel oder Lageräpfel, die man besonders lange lagern kann. Wenn man mehrere Apfelbäume pflanzt, ist es empfehlenswert, einerseits Sorten zu pflanzen, die früh reif sind (sog. Sommeräpfel wie der Klarapfel) und Sorten, die später reifen.
Nicht alle Apfelsorten schmecken frisch vom Baum. Insbesondere die sogenannten Winteräpfel müssen in der Regel mindestens zwei Monate gelagert werden, damit sich ihre Fruchtsäure etwas abbaut und sie ihren Geschmack entfalten. Dafür halten sie sich lange und können bei richtiger Lagerung auch im April noch genossen werden. Andere Sorten hingegen sollten Sie möglichst bald verzehren, da sie schon nach kurzer Lagerzeit mehlig werden und an Geschmack verlieren.
Außerdem unterscheidet man zwischen Tafeläpfeln für den Frischverzehr, Mostäpfeln zur Saftherstellung und Küchenäpfeln zum Backen oder zur Herstellung von Apfelmus. Die Übergänge sind allerdings oft fließend: Einen klassischen Backapfel wie den ‚Boskoop‘ beispielsweise, essen viele Hobbygärtner auch gerne frisch, obwohl er recht sauer ist.

Stammform
Die Größe des Gartens ist ausschlaggebend für die Wahl der Stammform. Hier unterscheidet man zwischen Hochstamm (160-180 cm), Halbstamm (100 bis 120 cm) oder einem Busch (40-60 cm).
Aber informieren Sie sich rechtzeitig über die maximale Größe und die Wuchseigenschaften: Einen selbst gezogenen Apfelbaum irgendwann fällen zu müssen, weil er zu groß geworden ist, das ist mehr als traurig.

Geschmack
Wenn man das alles berücksichtigt hat, bleibt noch der persönliche Geschmack. Was nützt der beste Apfelbaum, wenn einem die Früchte nicht schmecken. Daher sollte man jede Gelegenheit nutzen, an einer Verkostung von Äpfeln teil zu nehmen.

Sortenempfehlungen
Dringend abzuraten ist für den eigenen Garten von der Pflanzung von Sorten, die es im Supermarkt zu kaufen gibt (Gala, Elstar, Golden Delicious). Diese Sorten benötigen einen sehr hohen Pflegeaufwand (Spritzmittel etc.). Außerdem ist es vorteilhaft, Apfelsorten im eigenen Garten mit einem anderen Geschmack und anderen Nutzungsmöglichkeiten zu haben.
Die Sorte Cox Orange ist als Tafelapfel sehr beliebt und wird immer wieder nachgefragt. Sie ist ein sehr guter Bestäuber für fast alle anderen Apfelsorten, jedoch sehr anfällig gegen Krankheiten, Wild- und Nagerverbiss. Nach unseren Erkenntnissen ist Cox Orange deshalb nur als Viertel- oder Halbstamm zu empfehlen.
Die folgenden Empfehlungen sind nur ein kleiner Ausschnitt geeigneter Sorten.

Empfehlenswerte alte Apfelsorten für den Anbau im Garten

Sorte   Eignung   Pflückreife   Genußreife   Besonderheiten
Gravensteiner   Tafelapfel   September   September bis November   Seinen sehr guten Geschmack genießt man am besten frisch vom Baum. Die Früchte reifen nicht gleichzeitig. Anfällig für Schorf, Mehltau und Spätfröste; nur bis November haltbar
Berlepsch   Tafelapfel   Ab Ende September   November-März   guter Befruchter; sehr guter Geschmack; bevorzugt milde Lagen; auf trockenen Böden fallen die Früchte oft vorzeitig ab.
Boskoop   Tafelapfel   Oktober   Januar-April   im Geschmack säurebetont; anfällig für Frost und Schorf
Alkmene   Tafelapfel   Anfang September   September bis November   guter Befruchter; gering anfällig gegen Schorf und Mehltau; Cox-Aroma; sehr gute Alternative zur krankheitsanfälligen Cox Orange, jedoch nur bis Höhenlagen von 400 m empfehlenswert.
Prinz Albrecht von Preußen   Tafelapfel   Ende September   November bis Januar   widerstandsfähig; auch für rauhe Lagen geeignet
Topaz   Tafelapfel   Ende September   November bis Januar   gering anfällig gegen Krankheiten; gute Lagerfähigkeit
Zuccalmagglios Renette   Tafelapfel   Ende Oktober   November bis Februar   feinwürziges Aroma; hohe Erträge; widerstandsfähig; vielseitig verwertbar; für den Anbau als Hochstamm weniger geeignet

Empfehlenswerte alte Apfelsorten für den Anbau auf der Obstwiese oder im großen Garten

Sorte   Eignung   Pflückreife   Genußreife   Besonderheiten
Brettacher   Wirtschafts- und Tafelapfel   Mitte bis Ende Oktober   Februar bis Mai   widerstandsfähig; für warme und mittlere Lagen
Gelber Edelapfel   Tafel- und Kuchenapfel   Mitte September   Oktober bis Januar   im Geschmack säurebetont; gering anfällig gegen Krebs; für rauhe Lagen; sehr guter Kuchenapfel
Großer Rheinischer Bohnapfel   Wirtschaftsapfel   Mitte Oktober   Januar bis Mai   widerstandsfähig; auch für rauhe Lagen; sehr lange haltbar
Harberts Renette   Tafel- und Wirtschaftsapfel   Mitte Oktober   Dezember bis Januar   widerstandsfähig; auch für rauhe Lagen; nur für leichte Böden wegen Stippe
Kaiser Wilhelm   Tafel- und Wirtschaftsapfel   Anfang Oktober   November bis Februar   süßsäuerliche Früchte; Ertrag setzt spät ein; auf schweren nassen Böden krebsanfällig; noch für mittlere Lagen geeignet
Rheinischer Winterrambour   Wirtschafts- und Tafelapfel   Mitte Oktober   Dezember bis Mai   widerstandsfähig; Ertrag setzt spät ein; großfrüchtig
Riesenboiken   Wirtschaftsapfel   Mitte Oktober   November bis April   früh einsetzender und regelmäßiger Ertrag; mildsäuerliche Früchte mit relativ wenig Aroma; widerstandsfähig; auch für rauhe Lagen geeignet
Roter Bellefleur   Tafel- und Wirtschaftsapfel   Mitte Oktober   Dezember bis Mai   auffällig späte Blüte; schmackhafte Früchte (saftig und vorwiegend süß); widerstandsfähig; breit anbaufähig, gut lagerbar
Winterprinzenapfel   Wirtschaftsapfel   Oktober   November bis Januar   widerstandsfähige Keltersorte; bildet walzenförmige Früchte an großen Bäumen

Empfehlenswerte alte Apfelsorten mit regionalen Besonderheiten

Sorte   Eignung   Pflückreife   Genußreife   Besonderheiten
Gubener Warraschke   Wirtschaftsapfel   ab Oktober   Januar bis Juni   Früchte klein bis mittelgroß mit geringem Säure- und Zuckergehalt; auch für höhere Lagen geeignet; widerstandsfähig
Zimtrenette   Tafel- und Wirtschaftsapfel   Mitte September   Dezember bis April   angenehme Säure; hoher Zuckergehalt; in der Oberlausitz seit Anfang des 19. Jhd.
Große Kasseler Renette   Tafel- und Wirtschaftsapfel   ab Mitte Oktober   Februar bis April   gute Pollenqualität; süß-säuerliche Früchte; gut trocken-verträglich; in der Oberlausitz seit Anfang des 19. Jhd.
Meißner Zitronenapfel   Tafel- und Wirtschaftsapfel   ab Oktober   November bis April    
Lausitzer Nelkenapfel (=Görlitzer Nelkenapfel)   Tafel- und Wirtschaftsapfel   Oktober   Dezember bis Februar   süße Früchte mit feiner Säure; eher kleine bis mittelgroße Früchte
Oberlausitzer Muskatrenette   Tafel- und Wirtschaftsapfel   Mitte Oktober   November bis Januar   würziger Geschmack; regelmäßiger Ertrag
Schöner von Herrnhut   Tafel- und Wirtschaftsapfel   ab September   Oktober bis Januar   saftige aber druckempfindliche Früchte, etwas gewürzt; geringe Ansprüche an Boden und Klima; für kalte Gebiete besonders geeignet
 

ADRESSE:

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