Wozu alte Baumschulkataloge?

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es in der Oberlausitz Baumschulkataloge. In diesen historischen Baumschulkatalogen werden auch Apfel-, Birnen-, Pflaumen-, Kirsch- und Haselnusssorten aufgeführt. Dadurch ergeben sich wichtige Anhaltspunkte dafür, welche Obstsorten früher in der Oberlausitz bekannt und verbreitet waren. Darüber hinaus sind alte Baumschulkataloge oftmals die einzige Quelle, um Hinweise auf Lokalsorten zu erhalten.

Ursprünglich waren es in Deutschland Fürsten und Gutsbesitzer, die für den Eigenbedarf Baumschulen aufbauten. „Wenn sie Liebhaber waren, zogen sie nicht nur das Nötigste an, sondern sammelten Neues und Seltenes, anfangs Obstsorten, später auch fremdländische Ziergehölze. Andere taten das auch, und so kam es zu Konkurrenz, zu freundschaftlichem Tausch, und irgendwann wurden Sortimentslisten für interessierte Käufer gedruckt“ (vgl. dazu Clemens Alexander Wimmer: Ein Blick in alte Baumschulkataloge. Gartenpraxis 11/2019).

Auch in der Oberlausitz waren es Fürsten und Gutsbesitzer, die die ersten Baumschulen errichteten, wie die Standesherrlichen Baumschulen zu Muskau oder die Baumschule des Görlitzer Bürgermeisters Richtsteig. Daneben gab es in der Oberlausitz mit dem Zittauer Verein zur Beförderung des Obstbaues eine Baumschule, die bereits im Jahr 1838 10.000 (!) „Stämmchen“ umfasste.

1860 gab es in der Oberlausitz eine Vielzahl von Baumschulen: neun im Kreis Görlitz, 15 im Kreis Lauban, 16 im Kreis Rothenburg, sechs im Kreis Hoyerswerda, eine im Kreis Bunzlau und eine im Kreis Sagan (vgl. Abhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz, Bd. 10, 1860, S. 275).

 

In der Oberlausitz verbreitete Obstsorten

Bislang wurden 28 alte Baumschulkataloge aus der Oberlausitz wiedergefunden. Sie stammen aus den Jahren 1827 (Fürstliche Baumschule zu Muskau) bis 1988 (Baumschule Oberlausitz, Löbau). In diesen Katalogen werden allein 409 Apfel-, 294 Birnen-, 138 Kirsch- und 102 Pflaumensorten genannt. Selbst wenn man bedenkt, dass sich darunter manche Sorte befindet, die mit unterschiedlichen Namen zwei- oder gar mehrfach benannt wird, ist dies eine erstaunliche Sortenanzahl.

Besonders groß war das Sortenspektrum der Fürstlichen Baumschule zu Muskau, die später durch Eigentümerwechsel zur Königlich Prinzlich Niederländischen Baumschule wurde. Unter Leitung des Garten- und Parkdirektors Eduard Petzold gelang es, eine Baumschule mit einem riesigen Angebot von Bäumen und Sträuchern aufzubauen. Petzold betrieb eine bemerkenswert ausgedehnte Reisetätigkeit, verfügte über ein großes Netzwerk von Parkbesitzern und war als Vorsitzender und Jurymitglied bei internationalen Gartenausstellungen tätig. All´ dies dürfte dem Aufbau eines großen Sortenspektrums in Muskau förderlich gewesen sein.

Apfelsorten

Von den 28 derzeit bekannten historischen Baumschulkatalogen der Oberlausitz sind 23 tabellarisch hier als pdf ausgewertet. Nimmt man dies zum Maßstab, war die „Goldparmäne“ die am längsten und am meisten verkaufte Apfelsorte in der Oberlausitz; denn sie wurde in 22 verschiedenen Katalogen zum Verkauf angeboten. Weitere Apfelsorten, die häufig in den Katalogen erwähnt wurden, waren:

  • Gravensteiner (20 Erwähnungen)
  • Klarapfel (18 Erwähnungen)
  • Boskoop = Schöner aus Boskoop (17 Erwähnungen)
  • Cox Orange (17 Erwähnungen)
  • Ananasreinette (16 Erwähnungen)
  • Baumanns Reinette (16 Erwähnungen)
  • Danziger Kantapfel (16 Erwähnungen)
  • Landsberger Reinette (16 Erwähnungen)
  • Ontario (15 Erwähnungen)
  • Adersleber Kalvill (14 Erwähnungen)
  • Blenheim (14 Erwähnungen)
  • Gelber Edelapfel (14 Erwähnungen)
  • Jakob Lebel (14 Erwähnungen)
  • Rheinischer Bohnapfel (14 Erwähnungen)
  • Charlamowsky (13 Erwähnungen).

Birnensorten

Insgesamt wurden in den Baumschulkatalogen der Oberlausitz 294 Birnensorten zum Verkauf angeboten (pdf Übersicht hier). Am häufigsten wurden folgende Sorten genannt:

  • Köstliche von Charneu (21 Erwähnungen)
  • Gute Graue (18 Erwähnungen)
  • Gute Louise (18 Erwähnungen)
  • Williams Christ (18 Erwähnungen)
  • Clapps Liebling (17 Erwähnungen)
  • Gellerts Butterbirne (17 Erwähnungen)
  • Boscs Flaschenbirne (16 Erwähnungen)
  • Neue Poiteau (15 Erwähnungen)
  • Blumbachs Butterbirne (14 Erwähnungen)
  • Clairgeaus Butterbirne (14 Erwähnungen)
  • Doppelte Philippsbirne (14 Erwähnungen)
  • Madame Verte (14 Erwähnungen)
  • Vereinsdechantsbirne (14 Erwähnungen)
  • Diels Butterbirne (13 Erwähnungen)
  • Triumph aus Vienne (13 Erwähnungen)
  • Andenken an den Kongress (12 Erwähnungen)
  • Birne aus Tongern (12 Erwähnungen)
  • Le Lectier (12 Erwähnungen)
  • Pastorenbirne (12 Erwähnungen).

Kirschsorten

Insgesamt wurden in den Baumschulkatalogen der Oberlausitz 138 Kirschsorten zum Verkauf angeboten (pdf Übersicht hier). Am häufigsten wurden folgende Süßkirschensorten genannt:

  • Große schwarze Knorpelkirsche (21 Erwähnungen)
  • Große Prinzessin (21 Erwähnungen)
  • Hedelfinger Riesenkirsche (19 Erwähnungen)
  • Büttners (späte) rote Knorpelkirsche (17 Erwähnungen)
  • Ochsenherzkirsche (15 Erwähnungen)
  • Fromms schwarze Herzkirsche (14 Erwähnungen)
  • Früheste der Mark (12 Erwähnungen).

Zu den traditionellen Sauerkirschsorten der Oberlausitz gehören:

  • Schattenmorelle (Große lange Lotkirsche), 23 Erwähnungen
  • Königin Hortensie (18 Erwähnungen)
  • Ostheimer Weichsel (13 Erwähnungen)
  • Großer Gobet (11 Erwähnungen).

Pflaumensorten

Insgesamt wurden in den Baumschulkatalogen der Oberlausitz 102 Pflaumensorten zum Verkauf angeboten (pdf Übersicht hier). Am häufigsten wurden folgende Pflaumensorten genannt:

    • Große grüne Reneklode (17 Erwähnungen)
    • Althanns Reneklode (16 Erwähnungen)
    • Metzer Mirabelle (15 Erwähnungen)
    • Mirabelle von Nancy (15 Erwähnungen)
    • Königin Viktoria (14 Erwähnungen)
    • Wangenheim (14 Erwähnungen)
    • Bühler Frühzwetsche (13 Erwähnungen)
    • Hauszwetsche (13 Erwähnungen)
    • Zarpflaume (13 Erwähnungen)
    • Ontario (12 Erwähnungen)
    • Schöne aus Löwen (12 Erwähnungen)
    • Italienische Zwetsche (11 Erwähnungen)
    • Königspflaume von Tours (11 Erwähnungen)
    • Anna Späth (10 Erwähnungen)
    • Oullins Reneklode (10 Erwähnungen).

Bislang wurden nur wenige historische Baumschulkataloge aus der Oberlausitz und den umliegenden Regionen gefunden. Für Hinweise auf weitere Kataloge sind wir dankbar!
Baumschulkataloge sind zudem hier zu finden:

Baumschulkataloge der Oberlausitz

Baumschulkataloge aus Dresden


Preiscourante Gottlob Börner Dresden 1786, bei google Books hier


„Verzeichniß der Obst-Sorten in der systematischen Obstbaumschule im Königl. Sächs. großen Garten bei Dresden“ Zwei Dokumente aus 1819 und 1830 als gemeinsames pdf. bei google Books hier

Diverse Kataloge der Baumschule Victor Teschendorff, Cossebaude bei Dresden, 1905-1972 online hier

Baumschulkataloge aus Pirna, Meißen, Erzgebirge

Baumschulkataloge aus Rötha bei Leipzig

Baumschulgataloge aus Leipzig, Torgau und Cottbus

Baumschulkataloge aus benachbarten polnischen und tschechischen Regionen


Katalog der Obstbäume welche in den Baumschulen von C. G. Häusler zu Hirschberg in Schlesien kultivirt werden : für das Jahr 1852 und 1853 / von C[arl] S[amuel] Häusler. – Hirschberg : Krahn, [1853]. – 59 S. Digitalisiert und online gestellt von der Humboldt-Uni zu Berlin. online hier

Die auf unseren Webseiten als pdf verfügbaren Baumschulkataloge wurden freundlicherweise zur Verfügung gestellt von:
–  Baumschule Schwartz, Löbau,
–  Herrn Ralf Frenzel, Dresden,
–  Frau Birgit Fleischer,
–  Ostritzer Antiquariat Marita Böhmer,
–  Herrn Manfred Wendler, Baumschule Wendler, Weißenberg Kotitz,
–  Herrn Dr. Clemens Alexander Wimmer, Deutsche Gartenbaubibliothek e.V., Berlin,
–  Herrn Harald Steinbach.