Alte Obstsorten erhalten – Junge Menschen fördern

Geschichte

1582 Kurfürst August von Sachsen fördert den Obstbau. So gibt er ein „Obstgartenbüchlein“ heraus. Dieser große Förderer der Obstkultur führt auch stets einen hohlen Stock mit Obstkernen mit sich und auf Reisen sogar Säckchen voller Obstsamen. So konnte er überall Aussaaten machen. Auch sammelte Kurfürst August viele Obstsorten. Er verfasste den Obstbau fördernde Gesetze, wie zum Beispiel, dass jedes neue Ehepaar zwei Obstbäume pflanzen muss.
1618-48 Im Dreißigjährigen Krieg brechen auch in der Oberlausitz Handel, Industrie und die Landwirtschaft zusammen. Nach Ende des Krieges beginnt auch der Wiederaufbau des Obstbaus.
1726 In der Oberlausitz wie in ganz Sachsen wird das „Mandat wegen Pflanz- und Pfropfung auch Kultivierung fruchtbringender und anderer Bäume“ durch Friedrich August II. erlassen. Alle Einwohner werden bei Erwerb eines Grundstücks und bei Heirat verpflichtet, sechs Obstbäume auf ihrem Besitz, Rainen und Gemeindeplätzen zu pflanzen. Darüber hinaus bestimmt das Mandat, dass alle Bauern, Gärtner und Häusler jährlich einen guten Obstbaum entlang der Straßen, Wege und Feldwege zu setzen haben, „bis kein Platz mehr vorhanden“ ist. Den Herrschaften und Obrigkeiten obliegt nicht nur die Durchsetzung und Kontrolle dieser Bestimmung, sie hatten auch Sorge zu tragen, dass einige Einwohner zur Baumzucht ausgebildet und von den Gemeinden oder Privatpersonen ausreichend Baumschulen angelegt würden, „damit es niemals an jungen gepfropften oder okulierten Bäumen fehlen möge“.
1764 Das Mandat (Ehestands-Baumgesetz) von 1726 wurde vom Prinzen Xaver erneuert. Die Pfarrherren und Superintendenten wurden angewiesen, auf die Einhaltung des Gesetzes zu achten.
1771-87 Allein in diesen Jahren wurden in Sachsen unter Kurfürst Friedrich August III. insgesamt 591.784 Hochzeitsbäume gepflanzt.
1801 Unter der Regierung des Kurfürsten Friedrich August III., erhält jeder, der nachweisen kann, dass er tausend Bäume gepflanzt hat, eine Prämie von etwas über 10 Talern.  Auf diese Weise werden in diesem Jahr für 32.000 neu gepflanzte Obstbäume Prämien gezahlt.
1816 Erheblichen Einfluss (z.B. durch die Herausgabe von Obstsorten-Verzeichnissen) auf den Obstbau in der Oberlausitz hat die Gründung der Landesbaumschule in Dresden durch Amtshauptmann von Carlowitz und Geheimrat von Flotow, beraten von dem damals bedeutendsten deutschen Pomologen, Geheimrat Diel.
1831 Der Geheime Finanzrat von Flotow (Dresden) erstellt ein Verzeichnis der edelsten Obstsorten in Sachsen. In: Universal-Blatt für die gesammte Land- und Hauswirtschaft, hg. von Dr. Putsche und Heinrich Schubarth, 12.11.1831, Nr. 10, Seite 109-114 sowie vom 19.11.1831 Nr. 11, S. 121-125.
1834 Gründung des „Vereins zur Beförderung des Obstbaus in der Oberlausitz“ in Zittau. Dieser Verein bringt die Zeitschrift „OPORA. Eine Zeitschrift zur Beförderung des Obstbaus in Deutschland“ heraus.
Allein entlang von acht Kunststraßen (Chausseen) der Oberlausitz stehen 11.748 Apfel-, 2.105 Birn-, 2.240 Pflaumen- und 10 Kirschbäume (Zeitschrift OPORA, 1835, Bd. 1, S. 79).
1836 Aufgrund einer „Verordnung zur Förderung des Obstbaus in Sachsen“ des königlichen Ministeriums des Innern wird bestimmt, dass die Landesbaumschule in Dresden Propfreiser für nur sechs Pfennige abgeben muss. Hiervon wird ausgiebig Gebrauch gemacht. Dadurch ist vermutlich auch in der Oberlausitz die Qualität der Obstsorten deutlich angestiegen.
1840 Der Verein zur Beförderung des Obstbaus in der Oberlausitz (Zittau) gibt „Das Obstbüchlein. Ein Lesebuch für die deutschen Bürger- und Landschulen“ heraus. U.a. werden dort 109 Apfelsorten beschrieben und zum Anbau in der Oberlausitz empfohlen.
1843 Der Obstbau-Verein in der Oberlausitz (Zittau) gibt die Zeitschrift „Für Freunde des Obstbaues. Eine Zeitschrift zur Beförderung des Obstbaues in Deutschland“ heraus.
1849 Erste sächsische Obstausstellung in Klix bei Bautzen.
1863 Vierte Allgemeine Versammlung deutscher Pomologen, Obst- und Gemüse-Züchter in Görlitz, 10.-13. Oktober 1863. Das Protokoll über diese Versammlung liegt der Oberlausitz-Stiftung als pdf-Dokument vor.
1874 Gründung des Landes-Obstbauvereins für das Königreich Sachsen. Dieser errichtet eine Zentralstelle zur Ausbildung von Baumwärtern, verteilt Edelreiser von geeigneten Obstsorten, verbreitet die zum fachkundigen Obstbau nötigen Kenntnisse, veranstaltet jährlich Obstausstellungen, organisiert Vorträge mit Demonstrationen (Baumschnitt etc.), gibt eine monatlich erscheinende Fachzeitschrift heraus und führt Obstverwertungs-Lehrgänge durch. Von alldem profitiert auch der Obstbau in der Oberlausitz.
1876 Generalverordnung des sächsischen Finanzministeriums zur Förderung des Obstbaus an den fiskalischen Straßen. Chausseewärter müssen einen Kurs in Pflanzung und Pflege von Obstbäumen absolvieren. In den folgenden Jahren werden Bepflanzungspläne für die Chausseen erstellt. Aus der Verpachtung der Straßenbäume erhält der Staat in den Jahren 1880-1904 mehr als 3 Mio. Mark.
1878 Landes-Obstbauverein: erste Aufstellung eines Normal-Obstsortiments für das Königreich Sachsen, um den Mitgliedern die Auswahl der für bestimmte Gegenden, deren Bodenverhältnisse, Lagen und Standorte geeignete Sorten zu erleichtern. Das Sortiment enthält je 75 Sorten Äpfel und Birnen, je 25 Sorten Pflaumen und Kirschen, sowie 5 Sorten Aprikosen und 10 Sorten Pfirsiche.
1879-92 Errichtung der Landwirtschaftlichen Schule einschließlich der Obst- und Gartenbauschule für das Königlich Sächsische Markgraftum Oberlausitz in Bautzen.
1882 Gründung des „Obstbau- und Anpflanzungsvereins“ in Löbau.
1883 Der Landesobstbauverein in Sachsen besteht inzwischen aus 30 Bezirksvereinen mit über 2.700 Mitgliedern.
1888 Landes-Obstbauverein: Engere Auswahl für ein Normal-Obstsortiment für das Königreich Sachsen. Je 15 Apfel- und Birnensorten. Diesem engeren Sortiment werden 16 Sorten Äpfel und 10 Sorten Birnen zum Zwecke der Erprobung angefügt. Fortan werden nur noch von diesem engeren Normal-Sortiment Edelreiser an die Vereinsmitglieder abgegeben.
1890 Der in der Entstehung begriffene Erwerbsobstbau erhält vom „Deutschen Pomologenverein“ Sortenempfehlungen. Dieser befürwortet gleichzeitig die Vernichtung „unwerter Sorten“. Dadurch wird der Rückgang der Sortenvielfalt beschleunigt.
1902 Landes-Obstbauverein: die bisherige Aufstellung eines Normal-Obstsortiments für das Königreich Sachsen wird überarbeitet. Es umfasst nun je 50 Sorten Äpfel und Birnen, 15 Sorten Kirschen, 10 Sorten Pflaumen, 12 Sorten Pfirsiche und 5 Sorten Aprikosen. Ferner werden je 15 Apfel- und Birnensorten besonders zum Anbau empfohlen (engeres Sortiment).
1950 Die Empfehlung nur noch weniger Standard-Sorten und staatliche Abholzungsprämien für Obstbäume führen zu einem dramatischen Rückgang der Sortenvielfalt und vor allem der Streuobstbestände. Obst wird immer weniger selbst produziert und stammt aus Plantagenanbau und wird auch in zunehmender Masse aus anderen Erdteilen importiert.
1996 Die Verordnung (EG) Nr. 2200/96 über Qualitätsnormen für Obst und Gemüse bestimmt, dass Erzeugnisse, für die EU-Qualitätsnormen bestehen, nur dann in Verkehr gebracht werden dürfen, wenn sie den Qualitätsnormen entsprechen und entsprechend gekennzeichnet sind. Obst, das nicht der EG-Norm entspricht, darf nur im Direktverkauf ab Hof an die Verbraucher weitergegeben werden. Diese Normen klassifizieren Obst zum Beispiel nach Größe, Form und Farbe in die Handelsklassen: EXTRA, I und II. Viele alte Obstsorten werden dadurch praktisch nicht mehr vermarktungsfähig.
2006 Errichtung der Oberlausitz-Stiftung mit dem Ziel des Erhalts alter Obstsorten im Obstsortengarten der Oberlausitz in Ostritz-Leuba.

Literatur:

  • Christian Adam Peschek: Geschichte der Industrie und des Handels in der Oberlausitz. In: Neues
    Lausitzisches Magazin, 1850, Bd. 27, S. 193-195.
  • Hans Stöhr: Sachsens Obstbau in vier Jahrhunderten. Dresden 1905.
  • Werner Schuricht: Der Obstbau Mitteldeutschlands vom Mittelalter bis zum Jahre 1945.
    Hrsg.: Förderverein Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt, Erfurt 2009.

ADRESSE:

Oberlausitz-Stiftung
St. Marienthal 2/ Propstei,
02899 Ostritz
Tel.: +49 (0) 35823 - 77231
Fax.: +49 (0) 35 823 - 77 250
Website: www.oberlausitz-stiftung.de
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