Alte Obstsorten erhalten – Junge Menschen fördern

POMOLOGIE DER OBERLAUSITZ

In der Oberlausitz haben sich bereits ab dem 19. Jahrhundert etliche Vereine, Pomologen und Baumschulen für die Förderung des Obstbaues eingesetzt. Einige davon werden hier vorgestellt. Auch einige Obstsorten stammen aus der Oberlausitz (siehe dazu auch die Menüleiste links)

Zittau
Dort wurde 1834 der Verein zur Beförderung des Obstbaues in der Oberlausitz gegründet. Er

  • errichtete eine Baumschule. Diese enthielt im Jahr 1838 bereits 10.000 „Stämmchen“.
  • gab von 1835-1838 drei Bände mit 11 Heften der deutschlandweit verbreiteten Zeitschrift „Opora“ und 1839-1850 zwei Bände mit insgesamt sieben Heften der deutschlandweit verbreiteten Zeitschrift „Für Freunde des Obstbaus“ heraus.
  • gab einen „Zittauer Obstbau-Calender“ heraus. (Ausgabe für das Jahr 1841 hier)
  • unterhielt in Zittau eine Bibliothek mit mehr als 280 Büchern, die heute nur noch zu kleinen Teilen existiert.
  • verfasste im Jahr 1858 eine Schrift mit dem Titel „Der reiche Obstsegen“ mit Anregungen und Rezepten zur Obstverwertung. pdf hier
  • baute eine Sammlung von Obstmodellen aus Papiermache auf (angefertigt von Dittrich, Gotha).
  • beteiligte sich an Obstausstellungen mit der Einsendung zahlreicher Obstsorten.

Ein Höhepunkt des Vereinslebens war sicherlich der Besuch der Obst-, Frucht- und Blumenausstellung des Vereins im Jahre 1838 durch Se. Majestät König Friedrich August II. und die Königin in Zittau. Drei Bände der Zeitschrift „Opera“ wurden bei dieser Gelegenheit an den König überreicht.

Görlitz
Dort wurde 1860 der Gartenbau-Verein für die Oberlausitz gegründet. Schon drei Jahre nach seiner Gründung fand die Allgemeine Versammlung deutscher Pomologen-, Obst- und Gemüsezüchter vom 10.-13.10 1863 in Görlitz statt. Für den gerade errichteten Verein war das ein großer Erfolg.
An die große pomologische Tradition von Görlitz erinnert heute noch die „Pomologische Gartenstraße“ sowie der Biolandbetrieb Stadtgut Görlitz, der auf der Feldflur „Die Pomologen“ arbeitet. Dort wurden 2015 allein 600 Tonnen Äpfel (!) von mehr als 20 Apfelsorten geerntet.

Bautzen
Die „Landwirtschaftliche Schule einschließlich der Obst- und Gartenbauschule für das Königlich Sächsische Markgraftum Oberlausitz“ in Bautzen (1879-1892) ging aus der 1875 errichteten „Landwirtschaftlichen Schule für das Königlich Sächsische Markgraftum Oberlausitz“ hervor. Von 1892 bis 1901 nannte sie sich „Landwirtschaftliche Lehranstalt und die mit ihr verbundene Obst- und Gartenbauschule für das Königlich Sächsische Markgraftum Oberlausitz“.
1885 beschloss der Verwaltungsrat der Obst- und Gartenbauschule (Bautzen) sowie der Landwirtschaftliche Kreisverein der Oberlausitz zu Bautzen die Errichtung einer Obstverwertungsanstalt. Zweck dieser Anstalt war die Herstellung und Verbreitung von Obstweinen, Backobst, Mus und Gelee. Damit sollten die Obstproduzenten der Region Absatzmöglichkeiten für ihr Obst erhalten.
Bis 1904 wurden in der Obst- und Gartenbauschule insgesamt 1.368 Baumwärter (insbesondere für die zahlreichen Chausseen in Sachsen) ausgebildet, darunter 414 Baumwärter, die den Gemeinden zur Verfügung standen. Ab 1881 fand hier der erste Lehrkurs für Obstverwertung überhaupt in Deutschland statt. Ab 1897 gab es einen Lehrkurs für Lehrer, ab 1897 Lehrkurse für Landwirte und Obstzüchter. Seit 1881 gehörten zur Obst- und Gartenbauschule in Bautzen eine Obstpresserei und Obstdarre, eine Obstsiederei und ein Baumschulbetrieb (ca. 16 ha) etc. Es wurden dort 60 Sorten Äpfel, 71 Sorten Birnen, 20 Sorten Pflaumen, 42 Sorten Kirschen, 10 Sorten Pfirsiche und 6 Sorten Aprikosen angebaut. In der Baumschule konnten jährlich bis zu 22.000 hochstämmige Obstbäume abgegeben werden.
1887 wurde ein Obstmuttergarten angelegt, in dem sämtliche Obstsorten enthalten sein sollten, die im heimischen Klima als anbauwürdig empfohlen wurden.
Darüber hinaus gab es in Bautzen spätestens seit 1881 einen Bezirks- Obstbauverein.

Löbau
Hier tritt am 19.02.1880 die Generalversammlung des Bezirks-Obstbauvereins Löbau (mit vier Lokalvereinen) zusammen.
1882 Gründung des „Obstbau- und Anpflanzungsvereins“ in Löbau.

Kamenz
1890 wird der bereits 1881 gegründete Bezirksverein Kamenz Mitglied des Landesobstbauvereins für das Königreich Sachsen.

Neukirch
1880 wird der Bezirksverein Neukirch Mitglied des Landesobstbauvereins für das Königreich Sachsen.

Herrnhut
1897 wird der Bezirksobstbauverein Herrnhut Mitglied des Landesobstbauvereins für das Königreich Sachsen.

Ohorn
1908 wird der bereits 1908 gegründete Bezirksverein Ohorn Mitglied des Landesobstbauvereins für das Königreich Sachsen.

Bis 1908 entstanden an weiteren Orten Lokalvereine: z.B. in Höckendorf, Steina, Bischofswerda, Königswartha, Großschönau, Walddorf und Bertsdorf.

Oberoderwitz
Zeitgleich mit den Obstbauvereinen entstanden auch andere Gartenbaukörperschaften, die der „Verband Oberlausitzer- Garten- und Obstbauvereine“ in Oberorderwitz aufnahm. 30 Ortsvereine mit 3.700 Personen waren dort 1909 Mitglied.

Benachbarte Regionen
In Reichenberg (heute die tschechische Stadt  Liberec) wurde 1898 der Obst- und Gartenbauverein für Nordböhmen gegründet.

In Guben (Niederlausitz) gab es bereits 1822 eine Obstbaugesellschaft, die vom großen deutschen Pomologen Diel (Diez an der Lahn) sowie dem Baron von Truchseß (Bettenburg) zahlreiche Obstsorten erhielt, die in einem Verzeichnis im Lausitzischen Magazin, Görlitz 1822, Bd. 1, S. 345-352 aufgeführt sind.

ADRESSE:

Oberlausitz-Stiftung
St. Marienthal 2/ Propstei,
02899 Ostritz
Tel.: +49 (0) 35823 - 77231
Fax.: +49 (0) 35 823 - 77 250
Website: www.oberlausitz-stiftung.de
Email: i n f o (at) o b e r l a u s i t z - s t i f t u n g . d e

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